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Achtsame Sprache wirkt Wunder

[Lesezeit: 15 Minuten]

Kaum etwas verbindet uns so mit einem anderen Menschen, wie gelingende Kommunikation.
Gibt es etwas Besseres auf der Welt, als ein gutes Gespräch? Klar fällt einem da noch mehr ein! Doch eine gute Unterhaltung zwischen zwei Menschen – sozusagen auf gleicher Wellenlänge - kann eine seltene Magie und intensive Nähe entstehen lassen.

In diesem Blog geht es um achtsame Kommunikation, also Sprache mit und ohne Worte.

„Worte sind die mächtigste Droge der Welt, welche die Menschheit benutzt.“ sagt Rudyard Kipling, der Autor von Dschungelbuch.

Entdecke, wie du unbeschwerter und auf positive, verständliche Weise kommunizieren kannst.

Die Zellen unseres Gehirns entscheiden, was wir wahrnehmen und steuern, wie wir fühlen, wie wir denken und wie wir handeln. Informationen kommen besser an, wenn sie gehirngerecht sind, also mit den Funktionsweisen des Gehirns vereinbar sind.

Kommunikation ist nicht gehirngerecht, wenn Aufnahme, Verarbeitung und Abruf von Informationen behindert sind. Dann kommt eine Nachricht beim Empfänger nicht richtig an, wird falsch gedeutet und führt demzufolge nicht zur gewünschten Reaktion.

Hier gibt´s vier kleine, aber feine gehirngerechte Regeln für deinen Alltag …

1. Aufmerksamkeit bekommen!

Gehirngerecht kommunizieren hat zunächst einmal mit Aufmerksamkeit zu tun. Um Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten sollte das Gehirn bereit sein.

Wie stellst du Aufmerksamkeit her?

1. Präsenz: Werde dir selbst bewusst, dass Du in Kommunikation treten willst. Wenn du aussendest, dass du bereit für ein Gespräch bist, zeigt das bei deinem Gegenüber Wirkung. Sei im hier und jetzt. Sei präsent! Gesagtes wird wertlos, wenn es hektisch im Vorbeigehen dahingesagt wird.

Versuche während des Gesprächs Ablenkungen und Unaufmerksamkeiten durch Handy, Fernseher, Geräuschkulisse auszuschalten und Zeitdruck zu vermeiden. Denn das führt zu „Übertragungsfehlern“.

2. Körpersprache: Ein guter und intensiver Kontakt gelingt vor allem durch Körpersprache.

Forscher haben herausgefunden, dass - im aufmerksamen Gespräch - Gestik und Mimik sich aufeinander einpendeln. Es gibt sozusagen automatische Abgleichungsprozesse im äußeren Verhalten.

Bei Gesprächspartner, die sich gut verstehen (eine positive Schwingung, gute Resonanz haben), kann man erkennen, dass die Körperhaltung des Gegenübers gespiegelt ist: z.B. die Sitzposition, die Arm-/Hand-Haltung, die Fußstellung, die Kopfhaltung. Lehnt A sich zurück, lehnt sich auch B zurück. Neigt A den Kopf, so wird B ihn auch leicht neigen usw.. Und dieses sich aneinander orientieren passiert ganz unabhängig von den Inhalten.

Bei Kindern schaut man, dass man auf gleicher Augenhöhe ist (z.B. in die Knie gehen oder sich gemeinsam auf´s Sofa setzen).

Ebenso kann man mit einfachem Blickkontakt, wie der Name schon sagt, Kontakt herstellen.

Körperhaltung und -spannung geben auch Auskunft darüber, ob der Gesprächspartner in einem aktiven Zustand ist (aufnahmefähig) oder müde in den Seilen hängt (nicht ausnahmefähig).

3. Atmung: Über die Atmung kannst du deine Aufmerksamkeit schnell von außen nach innen lenken und dich zentrieren. Mit 5-7 achtsamen Atemzügen beruhigst du deinen Puls, falls du emotional erhitzt bist.

Wenn wir uns gut verstehen, sehen wir das nicht nur äußerlich, sondern das lässt sich auch im Gehirn an bestimmten Frequenzen messen. Man sagt ja: „Die beiden sind auf der gleichen Wellenlänge.“ oder „Da stimmt die Schwingung.“ Es gibt keine Missverständnisse, jeder weiß sofort, was der andere meint.

Ü: Sei im Gespräch präsent mit Geist und Körper und achte auf eine ruhige Atmung.

2. Weniger ist mehr!

Fasse dich kurz, denn Zeit ist ja bekanntlich kostbar.

Es soll Eltern geben, die sich mehrmals wiederholen, um ihrem Kind etwas Wichtiges zu sagen. Manche Menschen schaffen es, den gleichen Inhalt dreimal auf unterschiedliche Art und Weise wiederzugeben. Wozu? Sinnvoller und angemessen ist es davon auszugehen, dass dein Gegenüber dir zuhört und den Satz beim ersten Mal versteht.

Das Gehirn liebt Klarheit!

Wenn du die Aufmerksamkeit deines Gesprächspartners hast, genügen wenige überlegte und klare Sätze, um eine Information rüber zu bringen. So wie im Fernsehen, da sind die Dialoge auch kurz, prägnant und kernig (und werden nicht wiederholt).

Und dann machst du eine Pause! - Damit kann deine Information beim Empfänger wirken, er kann den Inhalt deiner Worte verarbeiten und gegebenenfalls ein Feedback geben. Allein das Verarbeiten erfordert ja viel Gehirnarbeit und dafür sollte man dem Gesprächspartner die Möglichkeit geben. Gerade Kinder brauchen manchmal etwas länger, um eine passende Antwort zu formulieren. Man sollte ihnen also genügend Zeit einräumen und sie nicht währenddessen weiter zutexten. Auch anhand der Körpersprache erkennt man, ob jemand noch verarbeitet.

Wenn du ohne Punkt und Komma und ohne Pause sprichst, kann es sein, dass das Gehirn deines Gegenübers auf Durchzug schaltet und nicht mehr unterschieden kann, welche Information nun wertvoll ist und welche nicht. Das ist kontraproduktiv.

Wenn Sprechen und Zuhören – also aktive und passive Phasen - sich abwechseln, ist das gut fürs Gehirn. Gespräche gelingen dann gut, wenn der Redefluss stimmt, also eine Antwort nicht zu früh, nicht zu spät, sondern gerade richtig kommt. Richtig heißt: es passt ein Atemzug dazwischen.

Ü: Spreche mit kurzen, klaren Sätzen und vermeide Wiederholungen und Floskeln. Mache einen Punkt, wenn du alles gesagt hast. Mache Pausen, um das Gesagte wirken zu lassen und ansonsten … einfach mal die Klappe halten … und zuhören.

3. Positiv formulieren!

Dein Gehirn braucht positiv formulierte Anweisungen. Unser Gehirn ist auf „ja“ programmiert, und Negationen können vom Gehirn nur über Umwege verarbeitet werden. Negationen sind Wörter wie z.B. „nicht“ und „kein“.

Wenn dir jemand sagt: „Denke mal nicht an einen Elefanten.“ Woran denkst du dann?

Die meisten Menschen denken dann, … ups …, an einen Elefanten!

Unser Gehirn ignoriert Wörter wie z.B. „nicht“ und „keine“ und für das Gehirn hört sich der Satz dann an, wie: „Denke mal … an einen Elefanten.“

Negative Sprachmuster sind uns teilweise anerzogen. Negativ-Aussagen gehörten früher zum guten Ton der Erziehung. Die Eltern sagten: „Spring hier nicht so rum!“ oder „Fass das nicht an, sonst geht es kaputt!“

Heute weiß man, wenn du einem Kind sagst, was es „nicht“ tun soll, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es genau das tut. „Klecker nicht!“ kann zu mehr Herumkleckern führen, da das Kind, um diesem Befehl zu folgen, zunächst über die Handlung nachdenken muss und im Gehirn das Wort „kleckern“ ankommt. Geht die Botschaft außerdem mit einem rauen Tonfall einher, so wird beim Kind zusätzlich Angst erzeugt und häufig ist eine Schreckreaktion die Folge.

Vielleicht kennst du solche Beispiele:

  • „Ich darf nix essen.“ Das Gehirn denkt an: „essen“
  • „Ich habe keine Angst.“ Das Gehirn denkt an: „Angst“
  • „Ich bin nicht nervös.“ Das Gehirn denkt an: „nervös“
  • „Hoffentlich bekomme ich keine Grippe.“ Das Gehirn denkt an: „Grippe“

In Zeiten der Corona-Pandemie sehen wir z.T. schreckliche Bilder und haben bewegende Gedanken im Kopf. Vielleicht auch Gedanken, wie: „Blos nicht anstecken lassen!“ Besser für das Gehirn und auch für das Immunsystem sind positive Sätze wie z.B. „Ich bin ein gesunder Mensch.“ „Ich fühle mich gesund.“

Gehirngerecht sprechen bedeutet:

  • „Ich habe ein starkes Immunsystem.“ statt „Ich werde nicht krank.“
  • „Ich bin mutig.“ oder „Ich bin gelassen.“ statt „Ich habe keine Angst.“

Ähnlich kann die Botschaft: „Mach‘ dir keine Sorgen!“ dazu führen, dass der Partner sich erst recht sorgt. Sag ihm daher besser klar und deutlich, was Du tatsächlich meinst, z.B. „Sei achtsam.“ oder „Das geht in Ordnung.“.

Durch positive Kommunikation mit dir selbst und mit anderen zeigst du, dass du dir deiner Ressourcen, deiner Stärken und deiner positiven Seiten bewusst bist. Und nicht nur deiner eigenen, sondern auch der deiner Mitmenschen. Und das stärkt das WIR-Gefühl.

Ü: In der Familie könntet ihr ein Spiel daraus entwickeln und euch gegenseitig darauf aufmerksam machen, wenn jemand einen Satz mit „nicht“ und „keine“ sagt, den man besser positiv formulieren könnte. Als Anreiz könntet ihr auch festlegen, dass derjenige, der den Negativ-Satz spricht ein Gummibärchen abgeben muss oder 10 ct in die Positiv-Kasse zahlt.

4. Achte auf Verallgemeinerungen!

Vermeide kommunikative „Übertragungsfehler“ wie Verallgemeinerungen, Übertreibungen und andere sprachliche Unklarheiten.

Beim Sprechen verallgemeinern wir gerne Informationen. Kennst du Gespräche, bei denen es um schwarz oder weiß, immer oder nie, alle oder keiner geht? Dazwischen scheint es nichts zu geben.

Vor allem, wenn wir darauf los plappern, ohne uns Gedanken über die Worte zu machen. Das passiert, wenn wir emotional aufgeheizt sind, also z.B. gestresst, verärgert oder enttäuscht sind.

Verallgemeinerungen (Generalisierungen) sind Wörter wie „immer“, „nie“, „niemals“, „nirgends“ „nichts“, „alle“, „keiner“, „jeder“ und „sämtliche“ usw..

Doch wer hört schon gerne, dass er etwas „immer“ falsch macht? Das ist zwar unglaubwürdig, wirkt aber erst einmal! Auf diese Weise entspricht eine gesendete Nachricht dann oft nicht mehr ganz der eigentlich gemeinten Botschaft. Daraus können Missverständnisse und auch Verärgerung entstehen.

Nie? Immer? Alle? – Ist das wirklich wahr?

Wer bestimmt eigentlich, ob etwas oft oder weniger oft zutrifft? Ob jemand immer oder nie etwas tut? Das kann schließlich nur jeder selbst für sich entscheiden.

Ü: Achte darauf, ob du diese Verallgemeinerungen benutzt. Und wenn es dir auffällt, dann korrigierst du dich.

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Damit kennst du vier Regeln, wie du gehirngerechter kommunizierst und die du ausprobieren kannst. „If you never try you will never know.“

Fange klein an. Weniger ist mehr!

Wie wäre es, wenn du dir pro Tag einen der vier Punkte vornimmst. Wenn es nicht gleich klappt, sei nachsichtig mit dir und mit anderen. Übung macht ja bekanntlich den Meister.

Viel Spaß und Erfolg beim Spielen mit den Worten und beim achtsamen Hinhören.

Sprache wirkt Wunder!

Herzliche Grüße

Martina Harling
von LernRaum am See

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