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Tanz der Gefühle

[Lesezeit: 5 Minuten]

Unser Leben ist oft ein Tanz der Gefühle. Wir sind müde, verärgert, gut gelaunt, enttäuscht, neugierig, lustlos, melancholisch, erstaunt, interessiert, sauer, selbstbewusst usw. – um nur ein paar wenige zu nennen.

Unterdrückte Gefühle sind wie ein Bumerang.

Wenn du das Gefühl, das sich gerade in dir ausbreitet nicht akzeptierst und annimmst, sondern dich dagegen wehrst oder es verdrängst, kommt es wie ein Bumerang wieder zu dir zurück. Dieser Zustand ist ungeheuer aufreibend und entzieht dir Energie. Er kann dich richtig fertig machen oder – schlimmer noch - lässt dich ausgebrannt zurück. Stress ist die Folge.

Wie Dr. Ch. P. Dogs in seinem Buch „Gefühle sind keine Krankheit!“ sagt, sind Gefühle ein wichtiges Indiz dafür, wie es dir gerade geht. Statt negative Gefühle wie Angst, Wut, Trauer zu unterdrücken, ist es besser und gesünder sie zu spüren und sein zu lassen. Trauer und Wut sind Emotionen, die sich langfristig etablieren und die Persönlichkeit eines Menschen bestimmen können, wenn du sie verdrängst.

Leider ist die Freude hingegen meist nur ein kurzlebiges Gefühl. Ein relativ kurzer Zeitraum, in dem Glückshormone ausgeschüttet werden und dann verflacht sie wieder, die Freude. Vielleicht ist das der Grund dafür, warum wir in Deutschland, einem der reichsten Länder der Erde, uns eher ärgern und jammern - statt glücklich und zufrieden zu leben.

Gefühl kommt von fühlen.

Anders wirkt es sich aus, so Dr. Ch. P. Dogs, wenn du dir über deine Gefühle – die positiven, wie die negativen – bewusst wirst. Dann kannst du sie fühlen und mit ihnen arbeiten.

In den 1960er Jahren war es unter anderem Paul Ekman, der sich intensiv mit dem Thema Gefühle befasste.

Er hat 7 Basisemotionen herausgearbeitet:

  1. Wut / Ärger / Zorn
  2. Ekel / Abneigung
  3. Verachtung
  4. Freude
  5. Trauer / Verzweiflung
  6. Angst / Furcht
  7. Überraschung

Unter diesen 7 Basisemotionen sind leider nur 1-2 positive Emotionen.

Wenn du genauer auf deine Gefühle achtest, kannst du vielleicht 50 Gefühle aufzählen, die dir in den Sinn kommen und die du erlebt hast.

Ich bin vor kurzem auf eine Liste mit 146 Möglichkeiten Gefühle auszudrücken. Ein wahres Feuerwerk!

Gefühle bewegen.

Du kannst dir denken, dass es Emotionen gibt, die dich blockieren etwas zu tun, andere wiederum sind nur hinderlich und manche sind förderlich. In Emotion steckt das Wort Motion (= lateinisch: Bewegung) und je achtsamer du mit deinen Gefühlen umgehst, umso mehr Bewegung kommt in dein Leben.

Gefühle schaffen Achtsamkeit.

Es ist ein bisschen Übungssache, die unterschiedlichen Gefühle zu spüren. Sich seiner Gefühle gewahr werden, hat mit Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber zu tun. Je achtsamer wir mit unseren Gefühlen umgehen, umso zufriedener sind wir. Wir können weniger gute und gute Gefühle besser akzeptieren, wenn wir sie bewusst wahrnehmen. Der Buddhist z.B. wenn er traurig ist, setzt sich hin, wird sich seiner Trauer bewusst und wartet, bis sie vorbeigeht. Er akzeptiert sie. Traue also deinen Gefühlen und traue dich deinen Gefühlen zu. Beginne nicht sie abzuwerten oder zu unterdrücken. Negative Gefühle lösen sich dann auf, wenn du sie annimmst. Je öfter und präziser du deine Gefühle wahrnimmst, umso besser kannst du damit umgehen. Wenn du als Elternteil z.B. deine Ungeduld deinem Kind gegenüber wahrnimmst, kannst du achtsamer in der Situation handeln und sie eventuell zum Ausdruck bringen.

Gefühle schaffen Nähe.

Viele Menschen tun sich, insbesondere im Berufsleben, schwer, ihre Gefühle zuzulassen, geschweige denn, diese zu zeigen oder darüber zu sprechen. Sie empfinden Emotionen eher als peinlich oder störend. Die Fähigkeit, Gefühle zu zeigen und auszudrücken, ist jedoch sehr wichtig - im Privat- und im Berufsleben. Wenn wir unsere Emotionen unterdrücken und nur cool sein wollen, dann wirken wir auf andere unnahbar, kontrolliert, undurchschaubar und vielleicht auch leidenschaftslos. Das fördert nicht gerade die Beziehung. Eine gute Beziehung zu anderen aufbauen und emotionale Nähe herstellen können wir nur, wenn wir unsere Gefühle zulassen und zeigen.

Gefühle machen authentisch.

Unsere Gefühle zu zeigen ist enorm wichtig, da wir nur dann authentisch und sympathisch auf andere wirken. Wer nicht authentisch ist, kann auch nicht überzeugen. Hinzukommt, dass andere uns nicht einschätzen können, wenn wir keine Gefühle zeigen und uns deshalb eher mit Misstrauen oder Distanz begegnen und das ist Gift für jede Form von Beziehung. Wenn du z.B. in einer Prüfung oder Bewerbungssituation deine Aufregung verbergen willst, bist du angespannt oder verkrampft und kommst deshalb nicht überzeugend rüber. Besser ist es sich im Vorfeld mit der Nervosität auseinanderzusetzen und Übungen an der Hand zu haben, mit denen du die Nervosität für dich in den Griff bekommst und in einen guten Zustand mit förderlicher Energie umwandeln kannst. Zeigen wir unsere Nervosität, unseren Ärger, unseren Stress jedoch, können wir Pluspunkte sammeln, da das offen und menschlich wirkt. Und das Gegenüber kann darauf eingehen.

Auch Eltern haben Gefühle.

Auch als Eltern dürfen wir ruhig gegenüber unseren Kindern und Pubertierenden zeigen, was in uns vorgeht. Wenn du über deine Gefühle sprichst, kann dir das keiner übel nehmen.

„Mich macht das ärgerlich, wenn ich sehe, dass du die Hausaufgaben nicht selbständig erledigst. Ich weiß, dass du das kannst.“

„Ich muss mich total zurückhalten, die Spülmaschine auszuräumen. Das macht mich ganz unruhig. Wann willst du das machen?“

„Bitte sei pünktlich. Es stresst mich, wenn wir zu spät kommen.“

Alte Wunden piksen.

Und manchmal bleiben nicht verarbeitete Gefühle im emotionalen Zentrum im Gehirn hängen. Gefühle, die nicht verarbeitet sind, können in ähnlichen Situationen oder Situationen, die uns an eine alte Verletzung erinnern wie ein Trigger wirken. Da jedes Gefühl auch ein sogenanntes Körperecho erzeugt, spiegelt auch der Körper dein Gefühl wieder. Wir bekommen dann z.B. Herzrasen, eine zugeschnürte Kehle oder weiche Knie.

In meinem Coaching geht es häufig darum, die unangenehmen Gefühle, die in bestimmten Situationen entstehen, aufzuspüren, damit zu arbeiten und in positive Energie umzuwandeln, so dass sie zukünftig nicht mehr störend wirken können.

Ü: Übe dich in Selbstmitgefühl. Wenn du Lust hast, werde achtsam, erforsche deinen Gefühlszustand und versuche ihn zu beschreiben. Welche Adjektive fallen dir dazu ein?

Und nun viel Spaß und Erfolg beim Eintauchen in deine Gefühlswelt. 🙂

Herzliche Grüße

Martina Harling
von LernRaum am See

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